Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Blumendrachen

Sonntag, 18. April 2010

Ich öffnete die Schreibtischschublade und sah, dass sie eine große braune Schachtel enthielt. Die Schachtel aus braunem Karton wirkte selbstgemacht, und tatsächlich las ich: „Oben“ und „Zum Öffnen die gummierten Klebestreifen aufschneiden und Schlitze anheben.“ Und: „Vorsichtig öffnen!“

Ich folgte der Anordnung, bemerkte aber, dass jemand den Schlitz schon geöffnet haben musste. Und dann sah ich etwas Blaues, Rundes, Selbstgemachtes aus Seidenpapier. Erstaunt untersuchte ich das knisternde Inneliegende: Es hatte die Form eines großen, gestielten Blattes. Auf das blaue  Blatt, das mit Seidenpapier auf einen Peddigrohrrahmen aufgezogen war, war eine Blume, wohl eine Rose, mit andersfarbigem Seidenpapier aufgeklebt; sie hatte 2 rautenförmige Seidenblätter als Stengel und in der Mitte des Rosenstiels klebte ein runder Seidenpapierpunkt, der eine sehr, sehr feine Paketschnur darunter festhielt.

Das Ganze war vorsichtig mit kleinen, altmodischen Tesafilmstreifen auf einer weiteren stabilen Pappe befestigt. Auf dieser Pappe stand geschrieben:

„Rosie-Drachen“
„Flugbereit“
„Einfach nur den Schwanz anbinden“

Über dem Wort „Rosie“ war eine Rose gemalt, die ähnlich wie die Seidenblume, nur kleiner, aussah.

Neben dem Drachen lag ein Briefumschlag. Ich öffnete ihn. Der Brief fing mit einem ummalten großen „R“ an. Der erste Strich der Initiale war als langstielige Rose gemalt, grün und rot. „Meine liebe Rosie“ stand da in riesigen Lettern. „’Besser spät als nie’, heißt es, doch das hier ist, glaube ich, lächerlich: WEIHNACHTSGESCHENKE!“ Wieder rankten um die Großbuchstaben Rosen.

„Ich habe das Gefühl, dass Du, als Du das letzte Mal in der Schule warst, mich gefragt hast, ob ich einen Drachen hätte, und ich gab Dir einen ziemlich kaputten – aber ich kann das beim besten Willen nicht mehr mit Sicherheit sagen. Ich meine mich jedoch daran zu erinnern, dass Du die Idee hattest, einen mit Deinen Kindern steigen zu lassen, um ein bisschen Spaß zu haben.Nun, hier ist der Spaß-Drachen!“

Die Schrift wirkte sehr ordentlich, fast penibel, aber auch „ausgeschrieben“ wie von jemandem, der viel schreibt. Sie hatte aber kleine „Schleifspuren“ zwischen den Wörtern – sie könnte zu jemandem gehören, der etwas erschöpft oder resigniert oder gar etwas kraftlos ist, diesen Brief also irgendwie fast mit seinen letzten oder  vorletzten Kräften schreibt. (weiterlesen…)

Von Würmern und Störchen

Freitag, 16. April 2010

Ein Wurm, sagt man, hat im vergangenen Winter zugeschlagen und viele alte Palmen enthauptet: Da stehen sie, die meterhohen Stämme wie Säulen mit einem Rest Kapitell: Ein Jammer. Wie das Gewürm es geschafft haben soll und ob es wirklich stimmt, ist eine andere Frage, besonders, wie ein Wurm oder mehrer Würmer es anstellen, einen alten Palmenbaum derart zu unterminieren, dass ihm seine Lebenssäfte so abgegraben werden, dass aus seiner Krone nun keine grünen Palmwedel mehr treiben können…?

Die verdorrten Kronen sind jedoch dieses Jahr Schauplatz von etwas Unerhörtem, noch nie Dagewesenem – zumindest können sich die Alten an nichts dergleichen erinnern: Ein Storchenpaar hat einen dieser verwaisten Palmenhochsitze als Nistplatz auserkoren – und das an einem der heißesten Plätze Europas: An der verkehrsreichen Umgehungsstraße einer Kleinstadt im Hinterland der Costa del Sol.

Das Storchenpaar setzt damit ein ungeheuer mutiges, geradezu tollkühnes Zeichen, das dazu angetan ist, Kleinmut, Depressionen und andere Hilflosigkeiten auszutreiben, zumindest bei denjenigen, die sich von seiner An-Mut anstecken lassen können.

Das majestätische Nestbauunternehmen gerade an dieser Stelle bedeutet nämlich nichts Geringeres, als dass dieses tollkühne Paar, Herr und Frau Adepar, sicher sind, dass so viel Regen gefallen ist und noch fallen wird, dass all dieses Wasser, all die Herbizide und Pestizide, die sofort mit Einsetzen des Frühlings unbarmherzig auf alles niedergehen, was das grünt und blüht, soweit verdünnen kann, dass es genügend Frösche und Kröten geben wird, die das überleben, um sich dann anschließend als appetitliche Futterquelle für Adebar und den geplanten Nachwuchs zur Verfügung stellen zu können. Und dass der nahe liegende Fluss dieses Jahr nicht austrocknen wird, bevor noch irgendein Jungstorch geschlüpft ist. (weiterlesen…)

Gedanken zur Welt

Montag, 18. Mai 2009

Heute erhielt ich über eine Freundin eine E-post der Kölner Mitmachzeitung. Den Text kannte ich schon in etwa, es gibt ihn wohl in vielen Versionen. Er ist gleichwohl immer bedenkenswert …

Die Erde (NASA)

Die Erde (NASA)

Wenn man die Weltbevölkerung auf ein 100 Seelen zählendes Dorf reduzieren könnte und dabei die Proportionen aller auf der Erde lebender Völker beibehalten würde, wäre dieses Dorf wie folgt zusammengesetzt:

57 Asiaten, 21 Europäer, 14 Amerikaner (Nord-, Zentral- und Süd), 8 Afrikaner.

Es gäbe 52 Frauen, 48 Männer, 30 Weiße und 70 nicht Weiße, 30 Christen und 70 Nichtchristen, 89 Heterosexuelle und 11 Homosexuelle.

6 Personen besäßen 59 % des gesamten Reichtums und alle 6 kämen aus den USA, 80 lebten in maroden Häusern, 70 wären Analphabeten, 50 würden an Unterernährung leiden, 1 wäre dabei, zu sterben, 1 wäre dabei geboren zu werden. Nur 1 Person besäße einen Computer und nur einer hätte einen Universitätsabschluss. (weiterlesen…)

Unser tägliches Brot schmeiss täglich weg

Dienstag, 10. Februar 2009

Anfang Februar schockte eine Münchner Tageszeitung ihre Leser mit dem Abdruck eines Bildes von einem riesigen Abfallcontainers voller Brot, einfach weggeschmissen, tagtäglich.

Es kam heraus, dass das überflüssige Münchner Brot in einer Biogasanlage landet, dort vergoren und dann verstromt wird! Zusammen mit Mais. Das Gas treibt Generatoren an … ein Kilo Brot entspricht 2,5 Kilowattstunden Strom; um ein Kilo Brot zu backen, werden ca. 1,3 Kilowattstunden verbraucht.

Das ist ganz schön pervers, dachte ich.

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Euch allen ein herzliches Willkommen …

Montag, 01. Dezember 2008

… und einen herzlichen Glückwunsch, dass Ihr zu diesem wunderbaren Ort gefunden habt!

Dieser Blog wird eine Besonderheit haben, was Euch vielleicht auch schon aufgefallen ist:

Neben einer ziemlichen Themenvielfalt, wird es mal ernst, mal heiter, mal gereimt, mal ungereimt, mal verkopft und mal eher locker-flockig, nie verzopft zugehen.

Immer geht’s jedoch mehr um Hintergündiges denn um Vordergründiges – eben den Beckground …

Zusätzlich zu diesen digitalen “Fingerabdrücken” werdet Ihr des öfteren “Tonspuren” finden, also meist  Gesungenes zu Gereimtem und Ungereimtem  … vorläufig noch a capella, da ich mir vorgenommen habe, auf diesem Wege Menschen zu finden, die Lust haben, die angebotene Baustelle musikalisch, z. B. mit Gitarre, Keyboard, Percussion u. ä., mit mir zusammen aufzubereiten.

Ich wünsche Euch VIEL SPASS beim Lesen und Anhören und natürlich bei der stets erwünschten Onlinedurchsuchung!

Für Kommentare, Anregungen und konstruktive Kritik bin ich immer dankbar. In diesem Sinne: Bis bald!